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Reformer: “Aufschrei sterbender Religionsdiktatur”

Verantwortlicher Autor: Jochen Raffelberg München, 21.07.2020, 18:17 Uhr
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München [ENA] Als letzten “Aufschrei einer sterbenden Religionsdiktatur” haben deutsche Kirchenreformer die jüngste Instruktion des Vatikans zur pastoralen Umkehr römisch-katholischer Pfarrgemeinden verurteilt. Auch Bistümer wie Trier und Speyer drückten ihre Enttäuschung über die Kleruskongregation aus, deren Anordnung dringende Erneuerungen der Pfarreienlandschaft und insbesondere Leitungsbefugnisse für Laien ausbremse.

Die Reformbewegung Wir sind Kirche erklärte am Dienstag in München, die am Vortag veröffentlichte Anweisung sei der “ungeheuerliche Versuch Roms, die Kirche wieder vorkonziliar zu machen und dringend anstehende Pastoralreformen auszubremsen.” Eine weitere Erosion kirchlichen Lebens sei zu befürchten. Die völlig unerwartete Intervention komme wohl mit Absicht in einer Zeit, in der in Deutschland und weltweit nach neuen Wegen für die Zukunft der Kirche gesucht werde. Das Papier setze den Kurs der Laien-Instruktion von 1997 fort, mit der vor allem die Frauen von Leitungs- und Weiheämtern ferngehalten würden. Die jüngste Instruktion erscheine “wie ein letzter Aufschrei einer sterbenden Religionsdiktatur”.

Wir sind Kirche appelliert an die Gemeinden, die kirchlichen Gremien, aber auch an die Bischöfe und die Mitglieder des Synodalen Weges, sich nicht mehr “kleinlich und diskriminierend vorschreiben zu lassen”, wie sie ihr Leben als Glaubende zu gestalten hätten. Bischof Stephan Ackermann (Trier) sagte, ihn habe die römische Intervention ernüchtert und bedrückt. Der Speyerer Generalvikar Andreas Sturm äusserte sich enttäuscht, dass die Versuche der Diözesen, mit dem Priestermangel konstruktiv umzugehen, durch Rom so wenig Unterstützung erfahre. Er sei aber überzeugt, dass das “Modell der Leitung im Team keine Bedrohung, sondern eine Chance” sei.

Die vom Vatikan veröffentlichte Instruktion nennt die pastorale Umkehr als eines der grundlegenden Themen der „neuen Phase der Evangelisierung“. Obwohl diese “selbstverständlich auch eine Strukturreform” beinhalte, müsse “ein Gläubiger die Priesterweihe empfangen haben, damit er gültig zum Pfarrer ernannt” werden könne. Wer sie nicht habe, könne, “auch nicht im Falle des Priestermangels”, weder den Titel noch die entsprechenden Funktionen erhalten. Auch dürfe das Amt nicht einer juristischen Person anvertraut oder einer aus Klerikern und Laien bestehenden Gruppe übertragen werden. Bezeichnungen wie „Leitungsteam“ oder „Leitungsequipe“, die eine kollegiale Leitung der Pfarrei zum Ausdruck bringen könnten, seien zu vermeiden.

Die Instruktion verweist aber auf eine andere Form der Übertragung der Hirtensorge, wenn es wegen Priestermangels nicht möglich sei, weder einen Pfarrer noch einen Pfarradministrator zu ernennen. In diesen “problematischen pastoralen Umständen” könne ein Diakon, ein Gottgeweihter, ein Laie oder auch eine Gemeinschaft von Personen (beispielsweise ein Orden oder eine Vereinigung) an der Ausübung der Hirtensorge einer Pfarrei beteiligt werden, aber ausschließlich unter Leitung eines Priesters. Um den Unterschied zum Priestertum “nicht zu verdunkeln”, dürfe dieser Personenkreis keine Titeln wie Pfarrer, Ko-Pfarrer, Pastor, Kaplan, Moderator, Pfarrverantwortlicher oder Ähnliches tragen.

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