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Lachnummer Dieselgipfel

Verantwortlicher Autor: Herbert Reis Aachen, 03.08.2017, 11:37 Uhr
Presse-Ressort von: Herbert Reis Bericht 7427x gelesen

Aachen [ENA] In Berlin trafen sich die Spitzen der deutschen Automobilwirtschaftsmacht und die deutsche Spitzenpolitik zum Dieselgipfel. Doch was da ablief, war nur eine Lachnummer. Statt die betrügerischen Firmen auf Hardware-Nachrüstungen festzunageln, sind nur Softwarelösungen ausgehandelt worden, die nichts bringen. Der vertrauende Bürger ist wieder einmal betrogen und verarscht worden.

Es wird Software-Updates für mehr als 5 Mio Diesel-Autos auf deutschen Straßen geben. Klingt nach viel, ist aber wenig: Denn die meisten Diesel – mehr als die Hälfte – sind vom VW-Konzern, und müssen ohnehin zurückgeholt und upgedatet werden. Und: Die ausländischen Autobauer – 35 Prozent Marktanteil! – sind nicht dabei. Dazu gibt es eine Kaufprämie der Hersteller für Alt-Diesel. Bis zu 2000 Euro – wenn sich der Kunde einen Neuwagen mit Euro-6-Norm zulegen mag. In Wahrheit war dieser Gipfel ein Neuwagen-Kauf-Programm. Wie viel da noch im Argen liegt im Auto- und Technikwunderland Deutschland, zeigte das Gipfel-Ende:

Nervös rutschen die Automobilkonzern-Chefs in der ersten Reihe auf den Stühlen hin und her. Die Ohren von Matthias Müller (VW), Dieter Zetsche (Daimler) und Harald Krüger (BMW) werden knallrot, das gebräunte Gesicht von Automobilverbands-Chef Matthias Wissmann wird blass, als Umweltministerin Barbara Hendricks sie alle abwatscht: Sie vermisse „Demut“. Die Auto-Industrie sei erst „dabei zu verstehen“, wie viel Vertrauen weg sei.

Aber dann rieben sich die Konzernchefs die Augen. Denn auch die Umweltministerin hatte vier Jahre lang geschwiegen zu all dem Skandal-Gemauschel. Jetzt wacht sie am Ende ihrer Amtszeit auf. Aber immerhin – früher als ihr Verkehrskollege Dobrindt. Der redete auch gestern wieder den Berliner Himmel blau. Und beide zusammen beharkten sich bitterböse auf offener Bühne. Und das minutenlang. Die Auto-Bosse waren danach fein raus. Die schiefen Töne hatte die Politik geliefert – an einem Tag, an dem die Konzerne neue Töne hätten anschlagen müssen.

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