Dienstag, 22.09.2020 19:52 Uhr

Obdachlos in Corona-Zeiten

Verantwortlicher Autor: Roland Schwiderski Deutschland, 28.07.2020, 15:19 Uhr
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Sozialer Wohnungsbau muss gefördert werden
Sozialer Wohnungsbau muss gefördert werden  Bild: Pixabay/CCO

Deutschland [ENA] In Deutschland gibt es zur Zeit schätzungsweise 48.000 Obdachlose. Reale Zahlen zu benennen ist unmöglich, da man diese nicht nachvollziehen kann, die Dunkelziffer ist wahrscheinlich wesentlich höher. Jugendliche und Kinder sind ebenfalls von Obdachlosigkeit betroffen.

Während der jetzigen Corona-Krise haben es diese Menschen weitaus schwerer. Treffpunkte und Hilfsangebote sind in dieser Zeit geschlossen. Alltägliche Probleme, die ohnehin schon vorhanden sind, verschärfen sich natürlich. Orte, wo sie sich sonst tagsüber aufhalten, zum Beispiel Einkaufszentren, sind/waren geschlossen. Aber auch viele, viele kleine Dinge machen das Leben auf der Straße sehr schwer. Wie wäscht jemand, der keine Waschmaschine hat, seine Schutzmaske? Wie hält man geforderte Hygienemaßnahmen ein?

Oftmals fallen kleine Einkünfte durch das Flaschensammeln oder von Straßenspenden weg, für einen Obdachlosen schon fast eine Katastrophe. Es gibt zwar Streetworker, die auch in dieser Zeit bemüht sind zu helfen, jedoch machen sich viele der Betroffenen auch unsichtbar, da kommt es dann zu Problemen. Mario Cordes, Vorsitzender der Obdachlosenhilfe Hannover, sagte dem NDR im März zu dem Thema: "Die Situation auf der Straße wird härter, je länger die Geschichte dauert. Man benötige dringend Orte, an denen sich obdachlose Menschen aufhalten könnten. Die Leute sind teilweise sehr verzweifelt. Ohne die Tagestreffs sind alle auf der Straße. Wir geben gerade dreimal so viele Schlafsäcke wie sonst aus".

Wegen des Coronavirus gelten in den Obdachlosenunterkünften verschärfte Vorschriften. Besucher sind teilweise nicht erlaubt. Es gibt Informationsmaterial zu Covid-19, in dem die Symptome aufgeführt sind, dazu die Kontaktnummern des Gesundheitsamts oder von Ärzten. In vielen Einrichtungen sind Gemeinschaftsräume nur noch eingeschränkt nutzbar oder sogar komplett gesperrt. Gleichzeitig werden die Bewohnerinnen und Bewohner angehalten, in ihren Zimmern zu bleiben. Das Personal in den Einrichtungen informiert über die geltenden Sicherheits- und Hygienemaßnahmen.

Warum Obdachlose gefährdeter sind sich zu infizieren

Es gibt keinen Rückzugsort für sie. „Wir bleiben zuhause“ ist keine Möglichkeit für Menschen, die kein Zuhause haben. Laut Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe waren in Deutschland 2018 678.000 Menschen wohnungslos, davon 48.000 obdachlos. Hinzu kommt, dass viele Obdachlose durch das jahrelange Leben auf der Straße an Krankheiten leiden und körperlich geschwächt sind. Sie sind daher eine „Risikogruppe“ was Corona anbelangt. Der Alltag Obdachloser ist momentan noch bedrohlicher als sonst. Einschränkungen in der Bereitstellung von Lebensmitteln und ärztlicher Versorgung wirft sie noch weiter zurück.

Sanktionen für obdachlose Menschen?

Städte wollen künftig darauf verzichten, Obdachlose, die verbotenerweise wiederholt vor Geschäften nächtigen oder campieren, mit Knöllchen zu sanktionieren. Meines Erachtens hat dies jedoch wenig mit Menschlichkeit zu tun, sondern hängt mit den darauffolgenden negativen Schlagzeilen zusammen. Unerwünschte Hinterlassenschaften vor den Geschäftstüren, nächtliche Lärmbelästigungen für Anwohner und aggressives Auftreten Obdachloser führen häufig zu Beschwerden, die in der Regel ein Ordnungswidrigkeitsverfahren nach sich zieht.

Doch diese Sanktionen sind ohne Wirkung, da Obdachlose die aufgerufenen Geldforderungen in der Regel nicht zahlen könnten. Immer öfter werden sie auch Opfer von Gewaltkriminalität wie man in der Drucksache 19/3918 des Deutschen Bundestages nachlesen kann. Seit 2011 ist die Opferzahl permanent gestiegen, jedoch gehen die zuständigen Stellen auch hier von einer hohen Dunkelziffer aus.

Fazit

Es werden Milliarden Euro aus Deutschland für zweifelhafte Dinge in andere EU-Länder transferiert. Deutschland ist Zahlmeister, damit es anderen besser geht. Dabei vergisst man jedoch die Menschen im eigenen Land. Man hat langsam das Gefühl, dass unser Wertefundament zerbröckelt. Es darf nicht sein, dass EU-Staaten die Coronapandemie dafür nutzen, rechtsstaatliche Prinzipien auszuhöhlen und Repressionen auszuüben. Menschenrechte werden heute mehr denn je offen infrage gestellt, ja mit Füßen getreten. Es besteht die Gefahr, dass es sich durch und während Corona verschlimmert. Es trifft immer diejenigen, denen es ohnehin schon schlecht geht, und wo so gut wie keine Lebensqualität mehr vorhanden ist. Bestehende Probleme haben Vorrang.

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